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Flensburgs Golfrasen-Gärten und unzählige Tote

Leben

Flensburgs Golfrasen-Gärten und unzählige Tote

Karl der Käfer stirbt!

Und nicht nur Karl. Auch Flip, Willie, Maja und Thekla.
Für die jüngeren Leser: Das sind Insekten bei Biene Maja. (Fernsehserie)

Was viele nur als Randnotiz wahrnehmen, bedroht tatsächlich unser aller Lebensgrundlage.

Seit 1989 hat sich unser Insektenbestand um drei Viertel reduziert.
Wer noch die Kinderserie Biene Maja kennt, kann sich das also bildlich vorstellen:
Flip lebt. Willie, Maja und Thekla wurden von Menschen gekillt.

Nun mag die eine oder andere minderbemittelte oder schlecht informierte Person gerade denken: „Was wollen die denn alle, ist doch viel cooler ohne Mückenstiche und nervige Fliegen.“ Aber weit gefehlt! Denn natürlich bringen wir nicht viele Sympathien für die meisten Insekten auf. Wenn es nicht gerade ein Marienkäfer oder Schmetterling ist, empfinden wir die Insekten als lästige Krabbelviecher. Nur die Biene sehen wir noch als wertiges Nutztier, weil sie unsere Pflanzen bestäubt. Kinder lernen schon früh, dass so der Honig entsteht. Aber nur die wenigsten wissen, dass Käfer, Fliegen und Co das Gleiche für uns alle erledigen. Und dass unsere vermeintlich nervigen Krabbelviecher unser Ökosystem aufrechterhalten, durch das unsere Pflanzen bestäubt werden.

Von den Pflanzen ernähren sich Kleintiere, die von größeren Tieren als Nahrung verspeist werden.

Und so geht es weiter, bis zu den größten Tieren, die wir zwar überwiegend nur noch aus der Kühltruhe kennen, aber dennoch des Deutschen liebste Nahrungsquelle sind. Ja, Mann! Ich rede von Kühen und Schweinen!

Wenn ein Ökosystem funktionieren soll, ist es wie in einem florierenden Swinger-Club.

Man braucht viele Bestäuber. (Jaja, Flachwitz-Alarm.) Dabei sind unterschiedlichste Arten der Wildbienen sogar unbedingt erforderlich. Und es gibt mehr als 550 Arten, die von uns und den Landwirten häufig als Schädling oder Fliege eingeschätzt werden. Nur die handelsübliche Honigbiene reicht halt nicht immer aus, bei vielen Pflanzen ist ihr Rüssel zu kurz. (Auch da passt wieder der Vergleich mit dem Swinger-Club). Und für kleinere Pflanzen ist sie schlicht zu groß, um darauf zu landen. Wir brauchen also unterschiedlichste Bestäuber, auch die Fliegen, Schmetterlinge und Käfer.

Die Gründe für das Insektensterben sind vielfältig:

  • Verstärkter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft
  • Monokulturen im Agrarbereich
  • Verlust von Hecken und Randstreifen auf Feldern
  • Designoptimierte Gartengestaltung bei Privatpersonen

Kurz gesagt, wir bieten den Insekten nicht genügend erforderlichen Lebensraum.
Und wer kennt nicht Bekannte oder Nachbarn, die den eigenen Garten eher zum Design-Award-Golfrasen umgestalten? Akkurat beschnitten, dem Mäh-Roboter sei Dank. Solarbeleuchtung und Gasgrill auf Kleinwagen-Preisklassen-Niveau dürfen neben dem Sylter Strandkorb nicht mehr fehlen. Da bleibt nicht mehr viel Platz für Karl, den Käfer.

Aber die Natur bestraft uns in Form ihres Außendienstes.

Immer.

Beispiel: Trump steigt – stellvertretend für die USA – aus dem Klima-Abkommen aus. Und reist im Anschluss mit seiner High-Heel-Braut zu den Hurrikan-Opfern, um sein Mitgefühl zu zeigen. Da neigt man schon dazu, seine Stirn mal auf die Tischplatte zu knallen. In unserem Fall mit den Insekten ist es genau anders rum. Da kommt uns irgendwann einfach kein Außendienst mehr besuchen, denn das sind die Insekten.

Und wenn die Insekten nicht mehr kommen, bricht das Ökosystem vollständig zusammen.

Dann stellen wir alle fest, dass man den Kunstrasen aus dem japanischen ZEN-Garten nicht essen kann.

Aber dann ist es bereits zu spät!

Text: Tomatenmark
Bildquelle: Shutterstock

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