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Alles hat seine Zeit

Bildquelle: Shutterstock

Leben

Alles hat seine Zeit

Die Produktion der Lindenstraße wird im Frühjahr 2020 eingestellt und Jens Büchner, der Auswanderer mit Kultstatus, ist verstorben. Am 08. Dezember 1985 wurde die erste Folge der Lindenstraße ausgestrahlt. Seitdem haben unzählige Zuschauer die wöchentlichen Statusberichte von Hansemann, meine Taube und Klausi-Mausi begleitet.

Obwohl die Partner wechselten, zuweilen das Beziehungsgeflecht unübersichtlich wurde, weiß jeder Fan wer mit wem und wenn ja warum, mit wem auf Tuchfühlung ging. Kleine und große Dramen spielten sich unter den Bewohnern der Lindenstraße ab. Mord und Totschlag, Rassismus, schwere Krankheiten, Homosexualität, diverse Suchtprobleme. Es gab natürlich auch viele emotionale Momente. Der Serientod von Hans Beimer zum Beispiel, der das Publikum erst vor wenigen Wochen berührte.Den Machern der Lindenstraße war es stets wichtig aktuelle politische Themen und soziale Brennpunkte einfließen zu lassen. In den ersten Jahren ist das gut gelungen. Gelegentlich wurden die Hochrechnungen von Wahlen in der betreffende Folge gezeigt, das war einmalig.

Allerdings wurden einzelne Folgen deutlich flacher.

Geschichten wurden angefangen zu erzählen und man hörte nie wieder etwas davon. Bei den sozialen Inhalten war es ähnlich. Wurde anfangs noch ausführlich unter den Bewohnern über ein brandaktuelles Thema diskutiert oder gestritten, waren es mit den Jahren nur noch ein paar angerissene Sätze, mit großer Mühe von den Autoren untergebracht. Verwundert fragte sich so mancher Fan, was dieser eine Satz mit dem aktuellen Handlungsstrang zu tun hat. Die Zuschauer wurden mit den Akteuren älter, manche auch dicker oder dünner.Die treuen Fans werden enttäuscht sein, dass die älteste Soap eingestellt wird. Manche Geschichten sind jedoch irgendwann schlicht aus erzählt.

Jens Büchner, der Mann aus Sachsen, wanderte 2011 nach Mallorca aus und wurde seitdem von der VOX Sendung „Goodbye Deutschland“ begleitet.

Er erreichte Kultstatus und wurde der Mallorca-Jens. Vieles hatte er in seinem Leben schon probiert. Oft hatte Büchner im wahrsten Sinne des Wortes Schiffbruch erlitten. Beruflich wie privat. Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob er in den letzten Jahren erfolgreich und glücklich wurde oder ob sich sein rastloses Leben, jetzt vor aller Augen geführt, fortsetzte. Von Anfang an schieden sich die Geister an Jens Büchner. Für die einen war er ein Loser, der schließlich selbst Schuld hatte, dass eine breite Öffentlichkeit jetzt auch noch an seinem Verlierer-Leben teilnahm. Diese Klientel begleitete in den sozialen Netzwerken jeden seiner Schritte hämisch und spöttisch. Übrigens bis Stunden vor seinem Tod. Die berufene Klugscheißer-Fraktion schrieb geradezu beleidigend. dass der Jens ja gar nicht krank sei, sonders es sich lediglich um einen raffiniert ausgeklügelten PR-Gag handeln würde. Es gab und gibt natürlich auch eine große Fangemeinde, die jetzt ehrlich um ihn trauert. Jens Büchner wurde 49 Jahre alt.

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