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Gastronomie in Flensburg am Wendepunkt?

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Gastronomie in Flensburg am Wendepunkt?

Preisdruck, verändertes Konsumverhalten und Tourismus als Rettungsanker

Die Gastronomie in Flensburg steht vor einer der größten Herausforderungen der aktuellen Zeit. Während früher gut besuchte Restaurants, Brauereien und Cafés zum Alltag gehörten, wirkt manches heute seltsam leer. Gäste bleiben aus – zumindest an normalen Wochentagen –, Preise steigen, und viele Betriebe setzen stark auf Sommer- und Touristengeschäft. Das tägliche Geschäftsmodell gerät unter Druck.

Ein zentrales Thema ist für viele Flensburger der Preis.

Viele Verbraucher äußern offen, dass ihnen Preise von 20 € oder mehr für ein Hauptgericht schlicht zu hoch sind – besonders wenn es sich um einfache Gerichte, wie z.B. ein Convenience-Schnitzel aus der Fritteuse handelt. Aussagen wie:

  • „Dafür koche ich lieber zuhause mit Freunden.“
  • „Wir gehen nur noch essen, wenn es etwas Besonderes ist.“

verdeutlichen ein wachsendes Preis-Nutzen-Bewusstsein der Gäste. Eine Umfrage von RSH zeigte, dass 80 % der Befragten heute nur noch dann in die Gastronomie gehen, wenn es wirklich etwas Besonderes ist, nicht für den Alltag.

Tourismus und Saisongeschäft – zweischneidiges Schwert

Für Flensburg-spezifische Gastronomie sind dänische Gäste und Sommerbesucher nach wie vor ein bedeutender Umsatzträger – besonders für Betriebe direkt am Hafen oder in beliebten Innenstadtlagen. Doch diese Abhängigkeit vom Saisongeschäft bringt Risiken:

  • Außerhalb der Saison fehlen oft die Gäste.
  • Viele Betriebe sind auf Saison-Umsätze angewiesen, um über das ganze Jahr zu kommen.

Tradition vs. Alltag: Wo geht es noch gut?

Trotz der Krise gibt es Beispiele für erfolgreiche Konzepte in Flensburg – vor allem dort, wo echte Küche, Qualität und Erlebnis im Vordergrund stehen:

Betriebe wie z.B. Piet im Fischmarkt oder die Hafenküche punkten mit frischer, regional inspirierter Küche. Auch andere Restaurants mit klarer kulinarischer Identität ziehen weiterhin Gäste an.

Diese Betriebe zeigen: Leute sind bereit, Geld auszugeben – aber für echte Qualität und nicht für Banales.

Ab Januar 2026 gilt die Mehrwertsteuer auf Speisen dauerhaft bei 7 % statt 19 %

Ein Schritt, den Branchenverbände als „Befreiungsschlag“ bezeichnen. Allerdings warnt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), dass diese Erleichterung nicht automatisch zu niedrigeren Preisen für Gäste führt, da viele Betriebe sie zur Entlastung der eigenen Kosten nutzen müssen – etwa Personal, Energie und Warenpreise.

Insgesamt zeigt die Entwicklung, dass Gastronomie in Flensburg nicht gescheitert ist, aber neu gedacht werden muss – weg vom Alltags-Restaurant, hin zu Ort mit Erlebnis, Qualität und echter Identität. Große Betriebe, die früher gut gefüllt waren, sind heute schwer zu betreiben. Hohe Pachten, extreme Energiekosten und Herausforderungen bei der Personalsuche machen es mittlerweile nahezu unmöglich, große Gastronomien in Flensburg noch profitabel zu betreiben. Vielleicht kann sich der eine oder die andere noch an die damals frisch eröffnete Hansens Brauerei mit der Straßenbahn erinnern?

Weche Betriebe schaffen es in Flensburg heute noch, so viele Gäste anzuziehen?

Text: Mark Jürgensen
Bild: Shutterstock

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