Folge uns
.

Heinrich hat Geburtstag

Bildquelle: Shutterstock

Leben

Heinrich hat Geburtstag

Seit vielen Jahren lädt mein Onkel Heinrich die Familie immer in das selbe Restaurant in Flensburg ein. Wie jedes Jahr sitzen wir im Clubraum. Ein langer Tisch ist festlich eingedeckt. Wie immer gibt es erst ein Glas Sekt, wahlweise ein Glas Sekt mit Orangensaft oder nur ein Glas Orangensaft. Ich gratuliere Heinrich, überreiche mein Geschenk und begrüße die anderen Gäste. Heinz und Christa fehlen in diesem Jahr. Sie wohnen in Gelting, also gar nicht weit weg. Aber Heinz hat das mit der Bandscheibe und Christa kann nicht Auto fahren. Die Plätze werden zugewiesen, denn mein Onkel hat extra Tischkärtchen gebastelt. Schade, ich hätte so gerne neben meinen Cousinen Marion und Karin gesessen. Nun sitze ich neben Tante Käthe.

Für das Rahmenprogramm ist immer Onkel Heinrich selbst zuständig

Er klimpert an seinem Glas. Oh ha, denke ich, es geht los. Er begrüßt uns nun offiziell, wir lassen ihn hochleben. Dann erzählt er von der Zeit, als er mit seinem Fahrrad über Land gefahren ist, um Schnürsenkel und Kernseife zu verkaufen. Von der Zeit, als er noch super sportlich war und auf einer Bierkiste einen Handstand machen konnte. Von der Zeit, als er in der Tiefkühlkost-Szene unterwegs und der beste Verkäufer war. „Da habe ich doch einer netten Frau Tiefkühlkost für 500 EUR verkauft. Ich war noch gar nicht aus dem Dorf raus, da hat sie mich angerufen und gefragt, ob ich die Sachen wieder abholen kann. Sie hätte gar keine Truhe.“

Im Restaurant wird das Essen an einen Tisch gebracht. So weit ich sehen kann, Medaillons, grüner und weißer Spargel. Traumhaft.  An der Doppeltür taucht immer wieder ein Kellner auf um zu sehen, wie weit der Gastgeber ist. „Heinrich ist noch so fidel. Nie hat er seinen Humor verloren. Das macht er sooo schön. Oder was meinst du?“ flüstert Tante Käthe, die extra aus den Hüttener Bergen angereist ist. „Doch, doch, finde ich auch. Richtig toll.“ Ich gucke wieder in das Restaurant.

Ein Himmelreich für Medaillons und grünen Spargel

Heinrich ist noch nicht fertig. Immerhin ist er jetzt beim Rentnerleben angelangt. Nicht auch noch der olle Bauernwitz, denke ich. Den kennen wir alle schon auswendig. Dieses Jahr scheint er uns zu verschonen. Heinrich kommt langsam zum Abschluss. Zu früh gefreut. „So, meine lieben Gäste, jetzt zur Auflockerung noch einen kleinen Witz und dann kommt das Essen. Wie immer gibt es Rinderrouladen, Kartoffeln, Rotkohl und Schnippelbohnen und zum Nachtisch eine Eisbombe. Aber vorher noch der versprochene Witz:

Ein nordfriesischer Landwirt fährt mit seinem Traktor kurzentschlossen zum Kiosk und spielt zum ersten Mal in seinem Leben Lotto. Seine Frau hasst das Glücksspiel, deshalb macht er es heimlich. Prompt gewinnt er am Ziehungstag mit sechs Richtigen und Superzahl.“Damminomohl“ denkt er. „Wat vertell ick denn min Ollsche? De kricht enfach en Auto, dann hetz se uck er Spaß.“ Kurzentschlossen fährt er in ein Autohaus, kommt in die Ausstellung und zack – tausendster Besucher – Kleinwagen umsonst! „Dat glövt mi keener! Ik denk mit so’n feine Urlaub kunn ik dat Wief uck besänftigen.“ Gesagt getan. Große Party im Reisebüro, er soll am Glücksrad drehen – Hauptpreis – Reise gewonnen. „Ik war noch bekloppt inne Kopp. Nu bün ick mit mien Latein an Ende!“ Also geht er erstmal nach Hause, schenkt sich einen Bommi ein und wartet am Fenster auf seine Frau. Da kommt der Bus, seine Frau steigt aus und wird von einem Kieslaster überfahren. Er bleibt ganz ruhig und schenkt sich noch einen Bommi ein. „Leck de Fööt- wenn’t eenmohl löppt, dann löppt.“

Die Kellner, die seit einer geschlagenen halben Stunden in den Startlöchern stehen, tragen das Essen auf

„Jetzt löppt es auch bei uns, nämlich das Wasser im Mund zusammen. Guten Appetit!“ Nach dem Essen und einer Verdauungsrunde hebt Heinrich die Tischordnung auf. Jeder darf jetzt sitzen wo und neben wem er will. Es werden heitere Stunden. Einige aus meiner Familie treffe ich wirklich nur noch bei Heinrich. Pappensatt und gut gelaunt verabschieden wir uns am späten Nachmittag voneinander.

Es war schön mit der Familie an einem Tisch zu sitzen. Bis hoffentlich zum nächsten Jahr!

Text Fräulein H.

Mehr aus der Kategorie Leben

.