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Ich verneige mich vor einer großen Frau – der Untergang eines Flensburger Imperiums

Bildquelle: Shutterstock

Leben

Ich verneige mich vor einer großen Frau – der Untergang eines Flensburger Imperiums

Beate Rotermund-Uhse starb im Juli 2001 in St. Gallen in der Schweiz. Sie wurde neben ihrem Sohn Klaus in Glücksburg beigesetzt. Ihr Name wird für immer mit Flensburg verbunden sein.

Sie hatte eine Vision

Nachdem sie in Braderup gestrandet war und die Not der Flüchtlinge und ihrer Kinder sah, war das die Geburtsstunde eines Unternehmens, das ein Imperium werden sollte und Flensburg in aller Welt bekannt machte. Im Tausch mit 5 Pfund Butter gelang es ihr 1947 die erste Verhütungsbroschüre, die Schrift X, in einer Auflage von 1000 Exemplaren drucken zu lassen. Die Broschüre kostete 50 Pfennig.

Beate Uhse wurde eine der größten Arbeitgeber Flensburgs und eine der besten Steuerzahlerinnen

Sie hatte das erste Großraumbüro Europas. Sie beschäftigte bundesweit über 1000 Mitarbeiter. Zum Dank wurde sie im ehrwürdigen Tennisverein nicht aufgenommen, denn es fand sich kein Bürge.  Sie ließ sich einen eigenen Tennisplatz bauen. Fertig.

Sie wurde zur Wegbereiterin einer offenen Gesellschaft

Im prüden Nachkriegsdeutschland, geprägt von Doppelmoral und erhobenem Zeigefinger, wurden hunderte Prozesse gegen das Unternehmen angestrebt. Ihr Mann, E. Rotermund, trennte sich von ihr. Erst 1972, als sie eine Beziehung zu einem Schwarzen hatte, willigte sie in die Scheidung ein. Die mediale, scheinheilige Moralapostel-Abteilung der Presse schwang sich noch einmal zu Höchstleistungen auf.

Ausgerechnet die Mutter des Boulevard, die Bild, ergötzte sich tagelang süffisant am Privatleben der Unternehmerin

Ihrem Ex-Mann wurde vorgeworfen, den schmutzigen Feldzug angezettelt zu haben. Beate Uhse weigerte sich daraufhin jahrelang, mit Pressevertretern zu sprechen. 1989 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Im Oktober 1999, zu ihrem 80. (!)  Geburtstag durfte sie sich in das Goldene Buch der Stadt Flensburg eintragen. Eine Straße in Tarup ist nach ihr benannt, allerdings fehlt der wichtigste, der bekannteste Namensteil. Auf dem Straßenschild steht: Beate-Rotermund-Straße.

Das Unternehmen Beate Uhse in Flensburg ist Geschichte

Die Zentrale, das Stammhaus in der Gutenbergstraße, längst verkauft. Die Tulpenfachverkäufer aus Holland haben das Internet  verpennt, den Support vernachlässigt, die Vetternwirtschaft finanziell vergoldet, die Kunden verprellt, die Mitarbeiter verarscht, den guten Namen Beate Uhse vernichtet.

Kurz: Sie haben es vergeigt! Hup, Holland, hup!

Es gibt Kaufleute, Geschäftsleute und Geschäftemacher. Beate Uhse war Zeit ihres Lebens eine anständige Kauffrau. Auch wenn sie mit erotischen Artikeln handelte, war das tausendmal ehrlicher, als eine einzige Kanone in ein Krisengebiet dieser Erde zu verschachern!

Die Stadt Flensburg hat ihr viel zu verdanken und ist ihr doch vieles schuldig geblieben. Warum wurde sie keine Ehrenbürgerin?

Text: Fräulein H.

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