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Invasion: Die Dänen werden Flensburg erobern!

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Invasion: Die Dänen werden Flensburg erobern!

Und nicht nur die Dänen. Natürlich nicht im militärischen Sinne. Und nein, ich bin auch kein Hellseher. Das muss man aber auch nicht sein, um diese Vorhersage zu treffen. Ich gehe sogar noch weiter und kündige auch Massenbesuche anderer skandinavischer Länder an.

Warum bin ich mir da so sicher?

Dafür gibt es gute Gründe. Die Grenzen werden geöffnet und wir senken die Steuern. Und es gibt einen Nachholbedarf. Die Vorräte gilt es – zu den deutlich günstigeren deutschen Preisen – wieder aufzufüllen. Und wer das Einkaufsverhalten unserer dänischen Nachbarn kennt, weiß wovon ich rede.

Ich wuchs in Harrislee auf und wir haben den Einkaufsprozess beobachtet

Als Jugendliche zog es uns immer wieder zu Poetzsch und Otto Duborg hin. Denn die Dänen kamen in Reisebussen und kauften immer gleich palettenweise ein. Gehäufte Einkaufswagen voller Alkohol und Süßigkeiten. Unglaubliche Mengen pro Haushalt. Die Reisebusse wurden vollgeladen, das Trinkgelage begann schon während der Anfahrt. Die Bezahlung erfolgte scheinbar zentral, denn die Insassen der verschiedenen Busse zahlten nicht einzeln. Und so stellten wir uns als Jugendliche einfach mit in die Schlange der spürbar angetrunkenen Dänen, jeder von uns natürlich mit mindestens einer Palette Dosenbier. Und so konnten wir einfach mit durch die Kassen marschieren, ohne zu zahlen. Klingt lustig. Und das war es zu dem Zeitpunkt auch. Aber es war für uns Jugendliche auch der Einstieg in Jahrzehnte regelmäßigen Konsums, der einige in den Alkoholismus steuerte.

Flensburger Betriebe brauchen die Einnahmen nach dem Shutdown

Und ich gönne es den Flensburger Betrieben, denn die Einzelhändler und Gastronomen waren schwer betroffen. Ich kenne viele davon persönlich und habe die Sorgen und die Ängste miterlebt. Viele haben Kredite aufgenommen und sich verschuldet. Außerdem wissen wir alle nicht, wie es im Herbst weitergeht. Kommt wirklich die zweite Corona-Welle? Wie verhalten sich dann die Konsumenten?  Ich wünsche also allen Flensburgern gute Geschäfte und einen anständigen Teil von diesem Kuchen, von dem beide Seiten profitieren.

Die dänische Regierung reagiert ebenfalls

Natürlich würde die dänische Regierung diese Einnahmen lieber im eigenen Land verzeichnen. Und steuert auch mit eigenen Preissenkungen gegen, so fällt die Steuer für Limonade weg. Und auch die Biersteuer wird ab dem 1. Juli um 15 % gesenkt. Aber das fällt bei meiner prognostizierten „Invasion“ nicht ins Gewicht. Denn der Schnaps und das Bier sind bei uns dennoch erheblich günstiger. Die höheren, dänischen Preise begründen sich in der 25-prozentigen Mehrwertsteuer und dem geringeren Wettbewerb. Sondersteuern gibt’s auch noch obendrauf. Im Jahr 2003 wurde die Alkoholsteuer in DK schon mal um die Hälfte reduziert. Aber auch damals hatte das einen kaum spürbaren Einfluss auf das Kaufverhalten in Deutschland.

Unsere Innenstadt und die Grenzmärkte dürften also in Kürze wieder mehrsprachig vorzufinden sein. Und mir gefällt eine gefüllte Innenstadt auch besser. Ich mag auch die meisten Dänen.

Text: Mark Jürgensen
Bild: Shutterstock

 

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