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Leben am Tiefpunkt

Leben

Leben am Tiefpunkt

150.000 Suizidversuche gibt es pro Jahr in unserem Land. 10.000 Menschen sterben pro Jahr durch Suizid, davon 600 Jugendliche. Die Gründe sind vielschichtig. Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen, Todessehnsucht, Mobbing und Cybermobbing.

Ich möchte die Themen Depression, Mobbing und Cybermobbing aufgreifen. Zwischen tiefschwarzen Weltschmerztagen, mimosenhaften Zeiten, Novemberblues und einer Depression liegen Welten. Auch heute wird eine Depression noch gerne tabuisiert. Die Betroffenen leiden oft jahrelang, bis sie sich endlich einem Arzt anvertrauen. Auch aus Angst, denn zu leichtfertig werden sie in eine Ecke gestellt, in die sie nicht hingehören. Woran das liegt? Wenn die Galle Probleme macht, kommt das Ding irgendwann raus und alles ist wieder gut. Aber wie heilt man eine kranke Seele? Wie erklärt ein Betroffener seiner Familie, dass sich eine zentnerschwere Last auf sein Leben gelegt hat. Wie geht die Familie damit um?

Mobbing ist ein großes Wort.

Nicht jeder, der gehänselt wird, über den die Kollegen gelegentlich lästern, ist ein Mobbingopfer. Wenn allerdings richtig bösartig und mit System ein Kollege permanent aus dem Kollegenkreis ausgeschlossen wird, von seinem Vorgesetzten beleidigt und schikaniert wird, wenn Unterlagen verschwinden, wenn Lügen in die Welt gesetzt werden, seine Arbeit voller Häme und Spott bewertet wird, wenn seine Ideen als die eigenen verkauft werden, dann ist es tatsächlich Mobbing. Schwere Mobbinghandlungen sind strafbar, auch und gerade wenn ein Betroffener in die Isolation gedrängt und letztendlich krank wird. 1,5 Millionen Menschen werden jährlich Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz.

Von Cybermobbing sind viele Kinder betroffen.

Oft fangen die Beleidigungen und Ausgrenzungen der Mitschüler wegen des Aussehens, der Körperfülle, oder der Kleidung an. Auch wenn es keinen Grund gibt einer Norm zu entsprechen, scheinen Kinder, die offensichtlich aus dem Raster der Masse fallen, beliebte Opfer von Cybermobbing zu sein. Nach dem Sport in der Umkleide schnell heimlich mit dem Smartphone ein Bild schießen und zack sieht es die halbe Schule. Ein betroffener Schüler, eine Schülerin, kann sich allein nur sehr schwer gegen diese Form des Mobbings wehren.

Oft werden diese Schüler seelisch krank. 

Auch viele erwachsene Zeitgenossen scheinen gerade in den sozialen Netzwerken alle Hemmungen zu verlieren und auf Politiker, Schauspieler oder andere prominente Künstler ohne Sinn und Verstand verbal einzudreschen. Meinungsfreiheit? Nein, damit hat dieses abartige Verhalten absolut nichts zu tun. Jemanden zu beleidigen, Gerüchte in die Welt zu setzen, ihn zu bedrohen oder sonst was an den Hals zu wünschen, ist nichts weiter als ein Ausdruck von allerunterster asozialer Schublade.

Fragen sich diese Leute auch nur einmal, was sie mit ihren Attacken anrichten können?

Wie würden sie reagieren, wenn sie selbst oder ihre Kinder betroffen wären? Daniel Küblböck gilt seit dem 09. September als verschollen, nachdem er von Bord der Aida sprang. Es ist leider davon auszugehen, dass er nicht mehr lebend gefunden wird und sein Leichnam für immer im Meer bleibt. Was aber jetzt in vielen sozialen Medien, auch auf seiner facebook-Seite, für unterirdische Kommentare von der asozialen Schubladen-Klientel geschrieben wird, ist beschämend und respektlos. Er kann sich nicht mehr wehren. Mich erinnert das ein wenig an den Tod von Rex Gildo, der im Oktober 1999 in Panik aus einem Fenster sprang und wenige Tage später starb. Ein Radiomoderator grölte damals fröhlich ins Mikro: „Ein letztes Hossa für Rex Gildo.“

Schämt euch in Grund und Boden, ihr niveaulosen und dümmlichen Schwätzer und Spötter.

Eurer „Mitgefühl“ erwartet niemand und eure „Meinung“ ist gar nicht gefragt! Haltet einfach mal inne und die Klappe!

Wenn Sie selbst depressiv sind, Selbstmord-Gedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222. Hier erhalten Sie Hilfe von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Wenn Sie sich Ihrem Hausarzt anvertrauen, wird er Ihnen eine Liste von Psychologen und Psychiatern überreichen, an die Sie sich wenden können. In Flensburg gibt es zahlreiche Facharztpraxen. Die Adressen können Sie auch über das Internet in Erfahrung bringen.

Text: Fräulein H.

Bild: Shutterstock

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