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Schulanfang – nicht für alle gleich

Bildquelle:Shutterstock

Leben

Schulanfang – nicht für alle gleich

Aufregende Tage liegen hinter den Schulanfängern. Die Einschulung ist heute ein Familien-Event. Nicht nur die Eltern, sondern auch die Paten, Oma, Opa und Freunde der Familie, wohnen dem Ereignis bei. Ein Meer von Smartphones und den Eigentümern derselben, tanzen um den Nachwuchs herum, jeder klitzekleine Moment wird festgehalten. Erinnerungen werden wach. 

Geübte Augen sehen sofort welche Klamotten die neuen Schüler anhaben, welche sündhaft teuren Schulranzen von den kleinen Schultern getragen werden. Geübte Ohren hören auch sofort, dass der Vater X nun schon zum dritten Mal betont hat, dass man anschließend noch in das teure Restaurant am Flensburger Hafen gehen werde und der wunderbare Tag im heimischen Garten mit Catering ausklingen wird. Andere grillen mit der Verwandtschaft am Strand oder zu Hause. Aber dann gibt es immer noch die, die sich nur wenig leisten können und die froh sind, dass nicht auch noch von einem Vertreter der Elternschaft abgefragt wird, wie denn der weitere Plan des Tages aussieht. Die alleinerziehende Mutter, der alleinerziehende Vater zum Beispiel. Die Eltern von Julian, die Mutter hat gerade eine sehr schwere Krankheit überstanden oder der Familienvater, der schon seit ein paar Monaten arbeitslos ist. Oder, oder, oder.

Der erste Schultag sollte allein den Kindern gehören und nicht den Eltern

Die schon mal eindrucksvoll ihre Statussymbole, um nicht zu sagen Duftmarken, hinterlegen. Kinder in diesem Alter sind unvoreingenommen. Ihnen ist es egal, ob ein Freund in einem Haus oder einer Wohnung lebt. Ihnen ist es egal, ob der Freund in Markenjeans oder KIK-Klamotten an der Tür klingelt. Ob der Vater Anwalt oder Tischler ist. Für Kinder sind ganz andere Dinge wichtig. Aber spätestens am Tag der Einschulung wird sich heraus stellen, das ein Mechanismus einsetzt, der nur schwer zu stoppen ist.

Einige Väter und Mütter werden um jede Zensur ihres Kindes diskutieren

Mit dem betreffenden Lehrer bis zum Sankt Nimmerleinstag. Sie werden EMails schreiben und gern den Rektor auf Kopie setzen. Einige Eltern werden schon im Vorfeld geklärt haben, wer beim ersten Elternabend in den Beirat gewählt wird. Schlägst du mich vor, schlag ich dich vor. Fertig. Es wird die Über-Kümmerer geben und die, die sich kaum um das Wohl ihrer Kinder sorgen. Es wird die Kinder geben, die zu jedem Geburtstag eingeladen werden. Es wird die geben, die ohne großes Aufsehen mitschwimmen und es wird die geben, die immer abseits stehen. Wenn ein Schulbus hält, kann man das sehr eindrucksvoll sehen. Einige gehen in Gruppen, einige zu zweit und einigen gehen immer allein hinterher.

Lassen wir kein Kind aus der Mitte

Chancengleichheit kann nur funktionieren, wenn Begabungen erkannt und Talente gefördert werden. Treten wir auch ruhig den Eltern auf die Füße, die überfordert und im schlimmsten Fall desinteressiert sind. Helfen wir ihnen zu erkennen, dass Bildung eine Tür ist, durch die jeder gehen kann.

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