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Verfluchte Shopping-Tour

Bildquelle: Shutterstock

Unterhaltung

Verfluchte Shopping-Tour

Ich möchte eine neue Jeans. Meine Tochter erbarmt sich, mich beim Kauf zu begleiten. Wir parken an der Exe und schlendern durch die Stadt.  Galerie, Holmpassage. Anziehen, ausziehen, Jeans-Depression. Ich sehe in den Dingern aus wie eine Wurst. Es ist immer dasselbe. Ich habe doch eigentlich eine Durchschnittsfigur, warum wissen die Jeans das nicht?

Wir gehen fast bis zur Nicolaikirche zurück und fangen von vorne an. Meine Tochter versucht sich als Motivationstrainerin. „Ach, Mama. wir finden schon eine. Wir können ja noch zu Mau gehen. Die haben doch chice 50+ Mode. Du könntest auch eine Damen-Karotte nehmen. Die geht höher rauf, ist nicht so eng und sie ist bequem. Und die Karotte sieht auch noch klasse aus.“ „Die Karotte heißt nicht umsonst Karotte. Darin sieht man nämlich auch aus wie eine Karotte“, erwidere ich. „Nee, ich möchte schon eine, die gerade geschnitten ist und wo die Taille nicht kurz unterhalb der Brust sitzt.“

Im sechsten Geschäft. Verkäuferin um die 20, Konfektionsgröße auch um die 20.
„Kann ich dir helfen?“ Ich gucke meine Tochter an. Die nickt heftig, soll heißen sie meint dich. Ich antworte. „Ja, das können Sie, danke. Ich suche eine Jeans in der Größe 30/32, gerade geschnitten in dunkelblau. Kann auch mittelblau sein und zur Not auch hellblau.“ Sie betrachtet eingehend meine untere Körperhälfte und läuft los. Ich wende mich meiner Tochter zu. „Wieso duzt die mich?“ „Das ist in diesem Laden so üblich. In Dänemark gibt es an jeder Ecke solche Läden. Und in Dänemark sagen alle DU.“ „Wir sind aber nicht in Dänemark!“ „Mama! Mit dir gehe ich nie wieder einkaufen. Immer hast du was zu meckern.“ Obacht, denke ich. Das Kind ist auf 180.

Die Jeans-Beauftragte stopft mir fünf Jeans in die Hand. Die ersten beiden krieg ich nicht einmal über die Kniekehlen. Ich ziehe die Dritte an. Mit letzter Kraftanstrengung und fast mit Gewalt bekomme ich den Reißverschluss zu. Ich tippel aus der Kabine. Meine Tochter und die Verkäuferin werfen sich bedeutungsvolle Blicke zu. Ich denke, da ist sie wieder, die Wurst. „Probier doch die nächste Hose an. Diese sitzt noch nicht ganz perfekt. Im Schritt und an den Beinen ist sie etwas eng.“ Die Verkäuferin ist wirklich bemüht. Langsam fange ich an zu schwitzen. Außerdem geht mir dieser Anziehen-Ausziehen-Marathon auf die Nerven. Vielleicht sollten wir zwischendurch etwas essen. Ich habe auf einmal einen Heißhunger auf ein saftiges Steak mit Pommes und Sauce Hollandaise. Außerdem bin ich durstig.

Ich zwänge mich aus der Hose. Jeans Nr. 3 passt wie angegossen. Stolz betrachte ich mich von allen Seiten. Ich zeige sie meiner Tochter.

„Toll, Mama, die passt wirklich klasse.  Wie für dich gemacht. Dreh dich mal um. Ja, auch von hinten. Hammer. Die nimmst du!“ Meine Tochter ist grenzenlos erleichtert. Ihre Komplimente bewegen sich geradezu in astronomischen Höhen. „Ich finde auch, dass sie dir toll passt und sie verdeckt so schön deine Reiterhosen. Äh, ich meine, deine Problemzonen.“ Konfektionsgröße 20 schaut mich strahlend an. Meine Tochter verschwindet in der Kabine. Ich höre sie prusten und kichern.

Drei Tage später. An der Kasse steht die Verkäuferin. „Du hast mir vor ein paar Tagen diese Jeans verkauft. Ich muss sie leider reklamieren und würde sie gern tauschen, weil… “

„Haben SIE den Kassenbon? Ansonsten kann ich IHRE Reklamation nicht annehmen.“

Ich verstehe diese dänische DU-Kultur nicht.

Text: Fräulein H.

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