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Vier Flensburger Lehrer berichten

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Vier Flensburger Lehrer berichten

Was geht nur an unseren Schulen ab? Und warum das für uns alle Auswirkungen hat..

Ich würde wetten, die meisten von uns haben bestimmt schon mal an die Vorzüge des Lehramts gedacht. Du auch?
12 Wochen Urlaub im Jahr, ab mittags in die Freizeit entschwinden, gutes Einkommen.

Wer so denkt, hat allerdings ein mittlerweile völlig falsches Bild. Unsere aktuellen Gespräche mit Flensburger Lehrer/innen ergeben eine ganz andere/erschreckende Ansicht:
Das Bildungsministerium vergibt Planstellen an Schulen. Diese Stellen sind auf lange Sicht fest im Budget der Landesregierung eingeplant. Die Lehrer dieser Stellen werden nach einer Probezeit ins Beamtenverhältnis übernommen. Das ist gut. Bedeutet höheren Kündigungsschutz und deutlich bessere Entlohnung.

Aber: Diese Plätze reichen vorn und hinten nicht aus. Geht schon bei Ausfall durch Krankheit und Schwangerschaften los. Ist vielleicht recht überraschend, aber das kommt sogar bei Lehrern vor.

Deswegen gibt es noch befristete und unbefristete Beschäftigungsverhältnisse der Lehrer/innen.
Bei gleichem Arbeitsaufwand gibt es hierbei jedoch eine deutlich (!) geringere Bezahlung.
Für uns nicht nachvollziehbar. Zumal sich befristete Lehrer/innen sehr intensiv mit der Materie auseinandersetzen: Neues Aufgabengebiet, neue Klassen, Analyse was bereits behandelt wurde… um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Grundsätzlich gibt es gravierende Unterschiede zwischen befristeten und unbefristeten Stellen und den beschriebenen Planstellen.
Bei der befristeten Stelle wird man in der Regel bis zu einem Ferienblock beschäftigt, danach folgt der Gang zum Jobcenter. Hier werden Lehrer nicht selten in Beschäftigungsmaßnahmen verfrachtet. Ein anderes Wort kommt mir dafür nicht in den Sinn. Denn wie viel Steuergeld-Verschwendungssinn muss man denn haben, um eine derartige Personen in solche Maßnahmen zu stecken? „Auch die wiederholten Versuche – das ich doch so etwas den Schülern beibringe und dafür ausgebildet bin – führten nicht weiter“ erklären uns kopfschüttelnde Lehrer.
Dass die Lehrer nach den Sommerferien sogar teilweise wieder an der gleichen Schule – in der gleichen Stelle – wieder eingesetzt werden, sei hingegen nichts ungewöhnliches mehr. Da geht’s um Sparmaßnahmen. „Wir kommen immer wieder in befristete Stellen, das ist heute normal.“
Wo Lehrer/innen sich bewerben können, sehen sie in einem Online-Portal des Bildungsministeriums.
In Schleswig Holstein gibt es zu wenige Planstellen. Hinzukommend fallen immer häufiger Lehrer durch langfristige Krankheiten – wie Burnout -aus.
„Der Unterricht an sich, hat sich drastisch erschwert.“
Durch die Zusammenlegung des Unterrichts und der Schüler (Inklusion) kann man sich gar nicht effektiv mit einer Klasse auseinandersetzen“, sind sich alle unserer Interview-Lehrer einig. Wer früher in Förderschule, Haupt-oder Realschule und Gymnasium untergebracht wurde, hat nun in Gemeinschaftsschulen den gleichen Unterricht. „Die Möglichkeiten der Schüler liegen so weit auseinander, dass ein empfängergerechter Unterricht gar nicht möglich sei. Heute befinden sich alle Schüler in einem Raum. Gute Schüler sind also unterfordert und andersherum. Das zieht alle runter.“

Keiner unserer Interview-Lehrer/innen kann diese Vorgehensweise nachvollziehen, bzw. in irgendeiner Art befürworten.
„Auch im Hinblick aufs Gehalt, ist dass der reine Hohn. Ich habe Grund- und Hauptschullehramt studiert, werde aber heute wie alle Lehrkräfte anders eingesetzt. Diejenigen, die auf Realschule oder Gymnasial-Lehramt studiert haben, erhalten eine höhere Entlohnung. Verrichten aber exakt die gleiche Arbeit.“, wie einer der jungen Lehrer berichtet.
Auch „Springer“ sind heute nichts Seltenes. Die werden auch „Feuerwehr-Lehrer“ genannt. Neben einer festen Schule betreuen sie noch weitere Schulen. Die springenden Lehrer erfahren meist erst morgens, an welcher Schule sie heute arbeiten.

Im krassen Gegensatz dazu steht der aktuelle Widerstand der Schüler und Elternschaften mehrerer Schulen. Diese organisieren sich mittlerweile immer massiver. „Was in Schleswig Holsteins Schulen abgeht, ist untragbar.“, schildern die wütenden Eltern. „Es gibt immer mehr Ausfälle für die Schüler. Es sind erhebliche Zahlen. Bei den Prüfungen bleiben aber die gleichen Maßstäbe.“, äußert eine betroffene Mutter. „Wir haben ein Schreiben der Schule bekommen, dass laut Bildungsfinanzbericht jede Woche 2-3 Stunden gekürzt werden. Das sind mehr als 3 Wochen in nur einem Jahr“.

Wo führt das hin? Zum einen immer schlechtere Perspektiven für-noch – motivierte Lehrer, zum anderen sparen wir erheblich an der Ausbildung unserer Kinder und Jugendlichen?
Sind unsere Schüler nicht die Personen, die unsere Rente mal bezahlen sollen? Oder diejenigen, die sich um unsere Staatsverschuldung kümmern?
Wer auch immer das entschieden hat… sollte mittlerweile verstehen, dass ein falscher Weg eingeschlagen wurde. Es gibt bestimmt sinnvollere Einsparungsmaßnahmen für Steuermittel, als unsere Kinder und Jugend. Die sind unsere Zukunft.

Vielleicht fangen wir mal bei unsinnigen Bewerbungsmaßnahmen für junge Lehrer an?

Bitte sorgt für Verbreitung dieses Berichts. Teilt ihn bitte hier bei Facebook mit denen, die auch betroffen sind. Danke!

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