Regionales
Wintermarkt startet früher – Flensburg ringt um die richtige Stimmung
Zwischen Glühwein, Gewinnstreben und Gewohnheiten: Warum Flensburgs Einkaufsmeile schon im November weihnachtlich wird. Flensburg – In der Großen Straße und auf dem Holm glitzert und duftet es in diesem Jahr ungewöhnlich früh: Schon ab 17. November öffnen die ersten Buden des neuen Wintermarkts, der sich vom Südermarkt bis zum Nordermarkt zieht. Bisher begann das vorweihnachtliche Treiben in Flensburg traditionell erst Anfang Dezember.
Der frühere Start sorgt für Gesprächsstoff – und spaltet auch die Stimmung in der Stadt.
Belebung oder Übertreibung?
Veranstalterin des Wintermarkts ist die Tourismus Agentur Flensburger Förde (TAFF). Sie will die Innenstadt früher beleben – und damit auch den Einzelhandel und die Gastronomie unterstützen. Gleichzeitig steht die städtische Gesellschaft unter Druck, mehr Einnahmen zu erwirtschaften.
Hintergrund: Der TAFF-Aufsichtsrat hatte die Agentur beauftragt, „Einnahmepotenziale auszuschöpfen“, um den Haushalt zu konsolidieren. Eine zusätzliche Markt-Woche bedeutet zusätzliche Umsätze – für Händler, Stadt und Tourismuswirtschaft.
Doch nicht alle teilen diese Freude.
„Noch blauer Himmel – und schon Punsch?“
In vielen Gesprächen mit Passantinnen und Passanten entlang der Einkaufsmeile überwiegt Skepsis. „Irgendwie seltsam, wenn man bei 12 Grad im Sonnenschein Glühwein angeboten bekommt“, sagt eine Flensburgerin beim Stadtbummel. „Ich mag das Flair, aber für mich gehört das einfach in den Dezember.“
Andere sehen es gelassener: „Warum nicht? Die Stadt wirkt lebendiger, die Kinder freuen sich über Licht und Musik, und man kann sich schon mal einstimmen“, meint ein älterer Herr. Zwei der ansässigen Einzelhändler stören die Buden vor Ihren Läden, sie bevorzugen die freie Sicht der Kunden auf Ihre Geschäfte. „Es ist eh schon schwer geworden, hier noch Geld zu verdienen.“
Die Stimmung ist also gespalten – zwischen Tradition und Tourismus, zwischen Adventsgefühl und Gewinnen für die Stadtkasse.
Zwei Märkte – zwei Stimmungen
Offiziell ist der neue Wintermarkt nur der Auftakt. Ab 24. November folgt der eigentliche Weihnachtsmarkt, der bis 30. Dezember läuft. Während der Wintermarkt eher kulinarisch und gemütlich sein soll, setzt der Weihnachtsmarkt dann stärker auf Programm, Lichterglanz und traditionelles Ambiente.
Die Trennung könnte auch ein Versuch sein, unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen: Einheimische, die im November gern schon draußen verweilen – und Touristen, die zum Advent bewusst nach Flensburg reisen.
Ob der frühe Start ein Erfolg wird, wird sich zeigen.
Eins ist sicher: Der Wintermarkt hat ein Thema angestoßen, das weit über Flensburg hinaus diskutiert wird – wie viel Weihnachten darf sein, bevor der Advent überhaupt beginnt?
Was meinen Sie?
Ist der frühere Start eine gute Idee zur Belebung der Innenstadt oder wird hier ein Stück Adventsstimmung zu früh verkauft?
Text: M. Jürgensen
