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Der Südermarkt soll sich radikal verändern: Kann das funktionieren?

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Der Südermarkt soll sich radikal verändern: Kann das funktionieren?

Die Betonplattform soll verschwinden, neue Bäume sollen kommen, ein Wasserspiel, neue Sitzmöglichkeiten und ein völlig anderes Erscheinungsbild: Für den Flensburger Südermarkt liegt jetzt der Siegerentwurf auf dem Tisch. Die Pläne sehen vielversprechend aus. Doch hinter den schönen Bildern steckt eine viel größere Frage: Kann ein neuer Platz auch die alten Probleme lösen? Und warum könnte es noch bis zu zehn Jahre dauern, bis Flensburg den neuen Südermarkt tatsächlich bekommt?

Wer in Flensburg lebt, kennt diesen Ort.

Wochenmarkt am Morgen. Menschen mit Einkaufstaschen. Touristen auf dem Weg durch die Innenstadt. Cafés, Busverkehr, Veranstaltungen und die imposante Nikolaikirche.

Aber eben auch eine völlig andere Seite.

Alkoholkonsum, Drogenproblematik, Konflikte und ein Umfeld, das von vielen Flensburgern gerade in bestimmten Bereichen der alten Betonplattform seit Jahren als wenig einladend wahrgenommen wird. Kaum ein Platz der Stadt vereint so viele unterschiedliche Welten auf wenigen Quadratmetern wie der Südermarkt. Jetzt soll sich genau dieser Ort grundlegend verändern.

Die Betonplattform soll verschwinden

Seit September 2025 haben interdisziplinäre Planungsteams an Ideen für die Zukunft des Südermarktes gearbeitet. Aus ursprünglich zahlreichen Konzepten wurden zunächst fünf Entwürfe für die zweite Wettbewerbsphase ausgewählt. Nun steht der Sieger fest.

Der Entwurf des Berliner Büros Planorama bedeutet dabei eine deutliche Zäsur:

Die umstrittene Betonplattform aus den 1970er-Jahren soll verschwinden.

An ihre Stelle soll ein wesentlich offenerer Platz treten. Vorgesehen sind unter anderem neue Baumgruppen, geschwungene Sitzstufen an der Nikolaikirche und ein Wasserspiel, das insbesondere an heißen Tagen für Abkühlung sorgen und gleichzeitig Kindern Raum zum Spielen geben könnte. Auch im Bereich der heutigen Bushaltestellen ist eine deutliche Veränderung vorgesehen. Dort soll ein rundes Funktionsgebäude mit Sitzgelegenheiten entstehen. Auf den ersten Blick klingt das nach genau dem Neustart, den dieser Ort gebrauchen könnte. Doch so einfach ist es nicht.

Kann man einen sozialen Brennpunkt einfach abreißen?

Die Plattform ist seit Jahren mehr als nur ein Stück Beton.

Ihre verwinkelte Architektur, die Treppen und insbesondere die abgeschirmten Bereiche rund um die Toiletten werden immer wieder mit der problematischen Situation auf dem Südermarkt in Verbindung gebracht. Die Stadt hat bereits unterschiedliche Maßnahmen ergriffen – darunter einen Trinkraum, Kontrollen des Kommunalen Ordnungsdienstes und die Zwischennutzung durch das Begegnungszentrum „Blaues Kaninchen“.

Der Abriss könnte deshalb tatsächlich etwas verändern.

Ein offenerer, übersichtlicherer und stärker frequentierter Platz kann das subjektive Sicherheitsgefühl erhöhen und problematische Rückzugsräume beseitigen.

Aber wir sollten uns nichts vormachen:

Beton kann man abreißen. Soziale Probleme nicht.

Drogenabhängigkeit verschwindet nicht mit einer Abrissbirne. Alkoholprobleme lösen sich nicht durch ein Wasserspiel. Und Menschen, die sich heute auf der Plattform aufhalten, lösen sich mit deren Abriss ebenfalls nicht in Luft auf.

Die entscheidende Frage wird deshalb sein, ob Flensburg nicht nur den Platz neu gestaltet, sondern gleichzeitig ein Konzept dafür entwickelt, wie dieser Platz künftig gesellschaftlich funktionieren soll.

Ein schöner Platz allein rettet keine Innenstadt

Und genau hier wird das Projekt noch interessanter. Denn der Südermarkt steht nicht isoliert. Er ist das südliche Eingangstor zur Flensburger Fußgängerzone und damit einer der wichtigsten Punkte der gesamten Innenstadt. Auch die Stadt selbst beschreibt seine Weiterentwicklung als wichtigen Beitrag zur Revitalisierung und Stärkung einer zukunftsfähigen Innenstadt.

Damit bekommt der Umbau eine Bedeutung, die weit über ein paar neue Bäume und Sitzgelegenheiten hinausgeht. Genau darin könnte die große Chance des neuen Südermarktes liegen.

Ein Platz mit Gastronomie, Wochenmarkt, Wasser, Grünflächen, Veranstaltungen, Familien und Aufenthaltsqualität könnte tatsächlich zu einem neuen Anziehungspunkt werden.

Wenn er funktioniert.

Und dann fällt eine Zahl, die mal wieder fragwürdig erscheint. Bei all den beeindruckenden Entwürfen gibt es allerdings einen Punkt, der bei vielen Flensburgern für Ernüchterung sorgen dürfte. Der Umbau wird nicht morgen beginnen und übermorgen fertig sein. IHR-Sanierungsträger-Chef Markus Pahl rechnet laut aktueller Berichterstattung damit, dass es bis zu zehn Jahre dauern könnte, bis der neue Südermarkt vollständig Realität ist. Die Umsetzung soll schrittweise erfolgen.

Zehn Jahre!

Kann und will sich Flensburg bei einem der wichtigsten Plätze seiner Innenstadt tatsächlich einen solchen Zeitraum leisten? Die Zukunft der Innenstadt wartet nicht zehn Jahre.

Trotzdem: Dieser Entwurf ist eine echte Chance

Bei aller berechtigten Kritik wäre es falsch, die Pläne kleinzureden. Denn der Südermarkt hat etwas, das sich viele andere Städte erst künstlich schaffen müssten:

Geschichte, eine beeindruckende Kirche, Gastronomie, einen etablierten Wochenmarkt, eine zentrale Lage und täglich Tausende Menschen in unmittelbarer Umgebung. Das Potenzial ist längst vorhanden.

Aber der Erfolg wird sich nicht daran messen lassen, wie schön die Visualisierungen heute aussehen.

Was meint ihr? Ist der Siegerentwurf der richtige Weg für den Südermarkt – und sind bis zu zehn Jahre für die vollständige Umsetzung akzeptabel?

Text: M. Jürgensen
Bild: Shutterstock

 

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