Regionales
Was war früher besser?
Als ich gestern durch Tarp fuhr, entfuhr mir vermutlich ein hörbares Geräusch der Überraschung, als ich das Motiv meines Fotos entdeckte. Ich schließe nicht aus, dass dabei ein paar Synapsen verpufft sind. Selten hat ein Anblick so schnell so viele Bilder durch meinen Kopf gejagt. Es war wie ein Feuerwerk der Erinnerungen – voller Emotionen, voller Geschichten. Und ich bin mir sicher: Vielen Lesern dürfte es ähnlich gehen.
„Eine Flasche Nummer drei bitte!“
Allein dieser Satz reicht, um bei vielen sofort Erinnerungen wachzurufen. Was waren das damals für legendäre Zeiten. National bekannte DJs, beeindruckende Lasershows und unzählige wilde Partys, bei denen wir es nicht selten maßlos übertrieben haben. Fantasy Music Hall, Mirage, Crypton, Roxy & Co. – Namen, die für eine ganze Generation stehen. Orte, an denen man sich traf, an denen Freundschaften entstanden, an denen Geschichten geschrieben wurden. Wo noch so viel los war, das extra ein Bus-Shuttle eingerichtet wurde. Und wer die letzte Fahrt verpasste, lief dann auch mal nachts aus Tarp nach Flensburg.
So etwas gibt es heute nicht mehr.
Und ehrlich gesagt kann ich mir auch schwer vorstellen, dass eine solche Ära noch einmal zurückkommt. Damals traf man sich am Wochenende ganz selbstverständlich an diesen Orten. Heute hingegen wissen wir täglich über das Smartphone, wo sich jeder befindet – oder zumindest, wo er sich gerade darstellen möchte. Die digitale Vernetzung hat vieles einfacher gemacht, aber gleichzeitig auch nicht nur zum Vorteil verändert.
War es damals wirklich besser? Oder verklären wir nur gerne die Vergangenheit?
Mein Gefühl sagt mir, dass unsere sozialen Kontakte damals unmittelbarer und echter waren. Gespräche fanden von Angesicht zu Angesicht statt, Begegnungen waren zufällig und oft überraschend. Ich erinnere mich an Abende, an denen ich mich zwei- oder sogar dreimal „schockverliebt“ habe, weil ich neue, sehr attraktive Frauen kennengelernt habe – ganz ohne vorheriges Profil, ohne Filter, ohne Erwartungshaltung.
Heute begegnet man sich häufig zuerst digital.
Man sieht ein mit Filtern optimiertes Profilbild und trifft dann später auf die Realität – manchmal mit Ernüchterung. Spontanität wird ersetzt durch Planung, Überraschung durch Vorab-Information.
Wir hatten damals noch keine Handys. Und als sie langsam aufkamen, waren sie weit entfernt von Internet, Social Media und Dauererreichbarkeit. Eine Internetverbindung war damals eher ein Versehen – und oft mit hohen Kosten verbunden. Man war unterwegs, ohne ständig erreichbar zu sein. Und genau das machte viele Abende intensiver. Man war im Moment, statt gleichzeitig an vielen Orten digital präsent zu sein.
Vielleicht war früher nicht alles besser. Aber manches war anders. Ungeplanter. Spontaner. Echter.
Und vielleicht ist es genau das, was wir manchmal vermissen.
An was denkst du in dieser Zeit besonders gern zurück?
Text: Mark Jürgensen
