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Weg frei: Kommt der digitale Euro?

Bildquelle: Shutterstock

Leben

Weg frei: Kommt der digitale Euro?

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat entschieden, die Einführung des digitalen Euros zu konkretisieren. Die digitale Währung soll als Ergänzung zum Bargeld dienen und außerdem Kryptowährungen wie dem Bitcoin Konkurrenz machen.

Start eines Großprojektes

Der nächste Schritt der EZB in Richtung einer digitalisierten Währung soll eine zweijährige Untersuchungsphase sein. In der Zeit arbeiten die Zentralbanker an einer möglichen digitalen Währung. Dabei soll es nicht nur um technische Aspekte gehen, sondern auch um den Datenschutz und die Privatsphäre der Nutzer. Anschließen ist dann eine weitere dreijährige Testphase geplant. Danach soll dann entschieden werden. Jürgen Schaaf, der bei der EZB für das Projekt zuständig ist sagte dazu: „Das heißt, es ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen, aber wenn Sie so wollen, hat die Rakete die erste Stufe gezündet.“

Welchen Zweck hat der digitale Euro?

Der digitale Euro soll quasi als digitales Format des Bargelds funktionieren. Digital bezahlen die Menschen natürlich auch jetzt schon, jedoch mit Geld, dass praktisch den Banken gehört. Schaaf erklärt das folgendermaßen: „Sie können digital bezahlen, das machen Sie als Bürger weitgehend mit sogenanntem Geschäftsbankengeld, also Geld, das letztendlich der Bank gehört. Wenn Sie mit dem digitalen Euro bezahlen, würden Sie elektronisch bezahlen mit etwas, das dem Bargeld gleichkäme.“ Der Vorteil wäre, dass die Menschen auch im Falle von Bankenpleiten weiter auf ihr Geld zugreifen können und dementsprechend abgesichert wären.

Maßnahme gegen Alternativwährungen

Der digitale Euro soll zusätzlich auch dazu dienen, die Macht von Großkonzernen einzudämmen. Vor allem die Franzosen trieb die Sorge um, eine Digitalwährung amerikanischer Unternehmen wie Facebook könnte Europas Währungsinstitutionen entmachten. Dem wollten sie lieber heute als morgen eine europäische Notenbank-Antwort entgegenstellen. Auch dem Bitcoin soll durch das Projekt Einhalt geboten werden.

Zwei denkbare Varianten

Wie der digitale Euro am Ende aussehen soll, steht noch nicht fest. Grundlegend sind momentan zwei Varianten im Gespräch:

Die eine ist ein digitaler Euro für Endnutzer, mit dem die Bürger zum Beispiel in Läden bezahlen können. Sie hätten dann eine elektronische Geldbörse (Wallet) auf dem Smartphone, mit der sie zum Beispiel an der Supermarktkasse zahlen.

Die andere Lösung beschreibt das Handelsblatt als eine sogenannte „Wholesale-Lösung, wo es um Anwendungen für spezielle Akteure wie die Finanzwirtschaft oder Industrie geht. Bislang deutet sich an, dass die EZB den digitalen Euro zunächst für Endnutzer umsetzen will. Er würde wahrscheinlich nicht auf der Blockchain-Technologie basieren. Bei der Entwicklung von Wholesale-Lösungen will die EZB voraussichtlich der Privatwirtschaft den Vortritt lassen.“

Welche Risiken gibt es?

Ein Risiko würde in Finanzkrisen bestehen, bei denen es zu sogenannten Bankruns kommt. In der Krise wollen alle Zentralbankgeld und flüchten aus den Banken, was diese an den Rand des Zusammenbruchs bringen kann, wie es 2008 in Griechenland der Fall war. Bislang musste man sich für einen solchen Bankrun am Schalter anstellen oder womöglich mehrfach zum Bankautomaten gehen. Um das Guthaben vom Girokonto in den digitalen Euro umzuwandeln, wäre hingegen im Extremfall nur ein Swipe auf dem Handy erforderlich. Das Risiko eines Bankruns wäre trotzdem weiterhin vorhanden, denn auch die EZB hat theoretisch nicht unendlich viel Geld. Um diesem Risiko entgegenzuwirken wird diskutiert, dass jeder Bürger nur eine Höchstsumme von zum Beispiel 3000 Euro in seinem Wallet speichern kann.

Wie die Untersuchungsphase verlaufen wird, werden nun die nächsten zwei Jahre zeigen. Danach werden wir dann wohl um einiges schlauer sein.

Quellen:

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/die-ezb-macht-den-weg-frei-fuer-den-digitalen-euro-17436959.html

https://www.handelsblatt.com/finanzen/neue-digitalwaehrung-ezb-startet-grossprojekt-der-digitale-euro-soll-kommen/27418362.html?ticket=ST-7389898-UmJu1Ll9Ndv5epX4a6yW-ap6

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/ezb-digitaler-euro-103.html

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