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Fazit eines Spaziergangs am Samstag – in Flensburg

Leben

Fazit eines Spaziergangs am Samstag – in Flensburg

Ein Kommentar aus Flensburg. Seit einiger Zeit spazieren Menschen samstags durch Flensburg. Und ich hörte und las von den wildesten Gerüchten darüber. Davon waren die meisten Worte ziemlich abfällig, die Rede ist häufig von „Querdenkern“, „Schwurblern“, „Coronaleugnern“ oder „Impfgegnern“. Außerdem hörte ich, dass dieser Sparziergang Rechtsextreme unterstützen würde, da viele dabei seien. Ich las sogar von SS-Parolen, die dort gerufen würden. Und deshalb entschied ich mich dazu, mir einen eigenen Eindruck davon zu verschaffen. Gemeinsam mit zwei Freunden sah ich mir die Veranstaltung an, es war eine interessante Erfahrung.

Es kamen überraschend viele Menschen.

Im Vorfeld las ich immer nur von einer kleinen Menge der Spaziergänger/innen. Daher entschied ich mich im späteren Verlauf dazu, auf ein naheliegendes Dach zu steigen. So konnte ich die gesamte Menschenmenge filmen. Gemeinsam mit Freunden unterteilte ich die Spaziergänger in Cluster, die wir stichprobengemäß zählten. So konnten wir die gesamte Menge annährend realistisch berechnen. Unsere Berechnungen ergaben, das es sich um etwa 1250-1500 Menschen handelte. Deutlich mehr Menschen also als offiziell angegeben. Und scheinbar wächst diese Bewegung auch spürbar, denn bei den vorherigen Samstags-Spaziergängen waren noch viel geringere Zahlen angegeben.

Wie viele Rechtsextreme finde ich dort?

Das war die Frage, die mich am meisten interessierte. Das begründet sich vermutlich darin, dass ich so gar nicht viel von Rechten halte. Daher lief ich die Veranstaltung mehrfach auf und ab, machte reichlich Fotos und Videos. Weitere wurden mir zugesendet. Aber auch nach mehrfacher Sichtung und intensiver Suche – während der Veranstaltung – komme ich zu folgendem Ergebnis:

Ich konnte keine Rechtsextremen oder Nazis identifizieren.

Nicht einen Einzigen. Trotzdem gab es aber Krawallmacher/innen. Die gehörten nur gar nicht zu den Spaziergängern. Immer wieder versuchten ein paar Störenfriede, die Spaziergänger zu beeinträchtigen. Das wirkte auf mich befremdlich, denn sie riefen „Nazis raus“ und pöbelten die Spaziergänger mit einem Megafon an. Diese kleine Gruppe wirkte krawallorientiert, zeigte Mittelfinger und eckte auch mit der Polizei an. Diese Gruppe wirkte befremdlich und verwirrend zugleich, zumal ich ja keinen einzigen Nazi entdecken konnte.

Die Polizei zeigte sich von der besten Seite.

 Sie hatten die Krawallmacher gut im Griff und grenzten sie von den friedlichen Spaziergängern ab. Insgesamt wirkten die Polizisten deeskalierend und sehr professionell. So verlief die provokante Aktion im Sande, denn auch die große Gruppe der Spaziergänger ging nicht auf die Versuche der Störenfriede ein. Das gefiel mir sehr gut und ich würde es begrüßen, wenn die Spaziergänger dies auch zukünftig so beibehalten. Aber davon gehe ich bei dieser Gruppe auch aus. Als ein Notarztwagen mit Blaulicht durch die Menge musste, schufen auch alle schnellstmöglich Platz dafür.

Ich stieß auf viele freundliche Menschen, teilweise ganze Familien.

Vielen Dank an die Menschen, die mir so freundlich meine Fragen beantworteten. Ich traf viele bekannte Gesichter und Menschen aller Altersklassen. Ein breitgefächertes Publikum mit unterschiedlichsten Beweggründen. Erstaunliche viele waren geimpft, was für mich eher überraschend war. Aber hier möchte ich sachlich bleiben und keinen falschen Eindruck erwecken. Ich schreibe nur über das, was ich selbst erlebt habe. In diesem Falle also von den Menschen, mit denen ich mich unterhielt. Besonders sympathisch war die Gruppe der Frauen mit den Kerzen in der Hand, die singend spazieren gingen. Später traf ich auch auf ein paar Musiker im hinteren Bereich der Menge, deren Trommeleinlage gefiel mir und wirkte belebend. Es war eine insgesamt sehr friedliche Gruppe, die Höflichkeit und Harmonie untereinander präsentierte. Kein Wunder, denn der Wunsch „Frieden, Freiheit und Demokratie“ sorgte ja auch für den gemeinsamen Spaziergang, bei dem auch eben diese Worte gerufen wurden.

Ich vermute, es wird zukünftig immer mehr Menschen zu Spaziergängen und Demos bewegen.

Insgesamt erreichen mich Videos aus ganz Deutschland. Überall gehen Menschen auf die Straße, weil sie die jetzige Politik nicht mehr nachvollziehen können. Die Demos in den Städten wachsen ähnlich schnell wie in den Nachbarländern, in Wien waren es gerade knapp 450.000 Menschen. Die Menschen sind gegen die Impfpflicht und die aktuelle Spaltung.

Viele von uns haben schlicht Angst.

Die einen vor Corona, die anderen vor den Impfstoffen. Andere sorgen sich um ältere Angehörige oder Freunde. Wieder andere um Ihren Betrieb, der unter den Maßnahmen leidet. Warum eine ungeimpfte Pflegekraft heute Angst um den Arbeitsplatz haben muss, obwohl gerade diese Menschen so vielen in den letzten zwei Jahren geholfen – oder sogar das Leben gerettet haben – ist nur sehr schwer nachvollziehbar. Wäre es nicht sinnvoller, gerade diesen Berufstand deutlich und spürbar zu unterstützen, anstatt Verbote und Strafen auszusprechen? Viele von uns haben also Angst. Ich verstehe nur diejenigen nicht, die jetzt Entscheidungen für andere treffen wollen. Wie z.B. mit einer angedrohten Impfpflicht. Das ist mir schlicht und ergreifend zu herrschaftlich. Die Ungeimpften, die ich kenne, sind intelligent und mündig. Die brauchen keine übergeordneten Entscheider, die sich für schlauer halten.

Akzeptanz ist wichtig, die Spaltung hilft keinem weiter.

Wenn ich Angst vor Fahrstühlen habe, brauche ich keine Menschen, die mich in einen hineindrängen wollen. Natürlich würde so eine Situation irgendwann eskalieren, also lassen wir das doch bitte lieber. Wer sich schützen möchte, kann sich impfen lassen. Die Impfung sollte ja nicht erst wirken, wenn der Freund vom Nachbarn auch geimpft ist. Vielleicht versuchen wir alle mal, die Sorgen anderer zu verstehen. Auch wenn diese andere Ursprünge haben können als unsere eigenen. Nur weil wir unterschiedliche Ängste haben, müssen wir uns nicht anfeinden oder gar spalten. Ich werde mir den nächsten Spaziergang wieder ansehen.

Noch eine Info in eigener Sache:

Wer meine Teammitglieder oder mich als Leugner, Aluhutträger,  Covididiot oder ähnliches betitelt, fliegt aus meinen Portalen. Seit zwei Jahren liefern wir täglich Infos zu Inzidenzen, Teststellen und Impfmöglichkeiten, wie keine anderen. Sobald wir aber differenziert berichten, fällt manchen nichts Besseres ein? Gleichermaßen lassen wir auch keine Begriffe wie Schlafschafe oder ähnlich zu. Ein respektvoller Umgang gilt für alle Teilnehmer.

Vielen Dank an die Polizei!

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie erholsame Weihnachtstage!

Freundliche Grüße und bitte bleiben Sie gesund,

Mark Jürgensen

 

 

 

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