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(Keine) Hilfe beim Sterben?

Leben

(Keine) Hilfe beim Sterben?

Die „geschäftsmäßige Förderung“ des Suizids war in Deutschland verboten. Allein die Formulierung überschritt schon deutlich die menschliche Seite und den einzigen letzten Wunsch eines Schwerkranken. Und nur darüber reden wir, über schwerkranke Patienten, bei denen es überhaupt keine Hoffnung mehr gibt. Das Bundesverfassungsgericht hat heute entschieden, dass das 2015 eingeführte Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe gegen das Grundgesetz verstößt. Paragraph 217 im Strafgesetzbuch ist damit nichtig. Der Gesetzgeber müsse sicherstellen, „dass dem Recht des Einzelnen, sein Leben selbstbestimmt zu beenden, hinreichend Raum zur Entfaltung und Umsetzung verbleibt“.

Geklagt hatten neben schwerkranken Menschen, auch Ärzte und Sterbehelfer.

Als Sterbehilfe wird JEDE Form der Unterstützung beim Sterben verstanden. Wir alle haben nur ein Leben auf dieser Erde. Es handelt sich also nicht um eine Generalprobe, sondern um die Premiere. Unsere Lebensreise kann so unterschiedlich sein, wie wir Menschen eben sind. Eines verbindet uns aber alle, eines Tages werden wir unsere Lebensreise beenden und in das ewige Licht gehen. Gern schieben wir das Thema zur Seite. Wie könnten wir auch leben, wenn wir ständig an unseren Tod denken. Manchmal werden wir aber trotzdem hart und unbarmherzig damit konfrontiert. Wir stehen am Bett unserer schwerkranken Mutter oder unseres Vaters und hoffen nicht mehr, dass ein Wunder geschieht. Wir flehen um ein würdiges Ende, wir tun das aus Liebe.

Was ist aber, wenn wir unsere Reise auf der Erde freiwillig beenden wollen, aber nicht mehr können? 

In den Niederlanden und in Belgien ist die aktive Sterbehilfe erlaubt. In Deutschland sind wir nach wie vor weit davon entfernt. Der kleine Schritt der heutigen Entscheidung der Karlsruher Richter ist trotzdem beruhigend und ein wichtiges Signal. Wenn ein Schwerkranker nur noch den letzten einen Wunsch hat, nämlich zu sterben, wenn es keine Hoffnung mehr gibt, wenn jede Stunde, jeder Tag und jede Woche nur noch eine einzige Qual voller Schmerzen ist, dann sollte dieser Mensch Hilfe beim Sterben erfahren. Ob nun medizinisch oder auch zutiefst menschlich. Es ist der letzte Liebesbeweis und die letzte Achtung, die wir als Angehörige leisten können. Ich  möchte nach einem selbst bestimmten Leben, in einer derart hoffnungslosen Lage auch selbst bestimmt sterben.

Das bedeutet für mich Würde.

Was ich aber am aller wenigsten möchte ist, dass die Menschen die mich begleiten, mich lieben und mir helfen, auch noch für ihre aktive Hilfe bestraft werden.

Text: Fräulein H.

Bildquelle: Shutterstock

 

 

 

 

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