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Pleitewelle Deutschland – auch in Flensburg angekommen? (Bildergalerie)

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Pleitewelle Deutschland – auch in Flensburg angekommen? (Bildergalerie)

Ein Meinungskommentar aus Flensburg. Man liest derzeit Schlagzeilen, die noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wären: 50.000 Stellenstreichungen bei Volkswagen. Traditionsbetriebe wie der Porzellanhersteller Kahla nach mehr als 180 Jahren insolvent.

Laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform mussten 2025 rund 23.900 Unternehmen Insolvenz anmelden. Auch bei den privaten Haushalten steigt der Druck:

  • 2025: etwa 76.300 Privatinsolvenzen
  • Anstieg zum Vorjahr: +6,5 %
  • höchster Stand seit 2016

Die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich also spürbar.

Heute – ein Gang durch die Innenstadt

Heute ging ich mit einem Freund durch die Flensburger Innenstadt. Der Eindruck war – ehrlich gesagt traurig und ernüchternd. Wir machten Fotos von Fassaden, deren Schaufenster leer stehen oder notdürftig abgeklebt sind. Diese Bilder zeigen wir unten in der Galerie. Ich betreibe selbst eine Werbeagentur und habe täglich Kontakt zu vielen regionalen Unternehmen. Und ich kann sagen:

Einen Jahresstart wie diesen habe ich noch nie erlebt.

Stillstand. Umsatzeinbrüche. Verunsicherung. Selbst Branchen, die sonst als stabil gelten, berichten plötzlich von Problemen. Natürlich spielte auch das Wetter im Januar eine Rolle: Schnee, Ostwind, kaum jemand wollte vor die Tür. Dazu fehlen vielerorts die Besucher aus Dänemark – ein wichtiger Faktor für diverse Betriebe der Region. Doch das erklärt längst nicht alles.

Wenn Aufträge ausbleiben.

Auch im Handwerk berichten kleine Betriebe davon, dass Neuaufträge plötzlich ausbleiben. Der Grund ist oft derselbe: Immobilienfinanzierungen werden schwieriger. Projekte werden verschoben oder ganz gestrichen. In der Möbelbranche sprechen einzelne Betriebe sogar von Umsatzeinbrüchen von bis zu 50 %. Gastronomie und Einzelhandel kämpfen ohnehin schon seit Jahren.

Szenen, die erschrecken.

Als wir auf Höhe der leerstehenden „Holm-Blamage“ Fotos machen wollten, bot sich ein Bild, das man eher aus Großstädten erwartet hätte. Im Eingangsbereich lag eine Gruppe von mindestens acht oder neun Menschen. Teilweise auf Doppelbett-Matratzen. Davor ein Campingkocher mit einer Pfanne darauf. Währenddessen lief hinter uns ein Mann laut pöbelnd hinter einer Frau her, deren Gesicht voller getrocknetem Blut war. Später sah ich dieselbe Frau wieder – wie sie offenbar nach Pfand suchend in den Mülleimern am Holm kramte.

Ein erschreckender Eindruck für Besucher.

Für Besucher wirkt Flensburg an solchen Tagen abschreckend. Die Stadt zeigt eine hässliche Fratze, die so gar nicht zu ihrem Ruf als charmante Hafenstadt passt. Dabei muss das nicht so sein. Ein Blick nach Husum zeigt, dass Innenstädte durchaus lebendig bleiben können, wenn sie klug entwickelt werden. Auch wir haben hier auf Frisches Flensburg bereits Ideen und Impulse vorgestellt:

👉 https://www.frisches-flensburg.de/impulse-fuer-flensburgs-lebendige-innenstadt-ein-appell-an-die-stadtplanung/

Doch aktuell ist davon in Flensburg nichts zu erkennen.

Sorge um die Zukunft

Und wenn man dann auch noch liest, dass Flensburg keinen Förderantrag für den Hafen gestellt hat, fragt man sich unweigerlich: Hat diese Stadt eigentlich noch eine klare wirtschaftliche Perspektive? Flensburg war einmal eine der zauberhaftesten Städte im Norden. Mit Charme, Handel, Tourismus und einer lebendigen Innenstadt.

Die Frage ist heute:

Bleibt das so – oder schauen wir weiter zu, wie langsam die Lichter ausgehen?

Text: Mark Jürgensen

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