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Uniformpflicht auf Bahnfahrten: Lasst den Soldaten doch ihre Freiheiten

Leben

Uniformpflicht auf Bahnfahrten: Lasst den Soldaten doch ihre Freiheiten

Seit einiger Zeit dürfen Berufssoldaten in Deutschland umsonst Bahn fahren! Das ist aus vielerlei Hinsicht clever, denn schließlich leben und arbeiten viele Soldaten fernab von Familie, Heimat und Freunden. So sparen die „Berufssoldatenpendler“ Reisekosten, fahren nach ermüdenden Wochen sicherer durch die Gegend als mit dem Auto und besser für die Umwelt ist es auch. Allerdings hat die Sache einen sehr bitteren Beigeschmack: Die Soldaten müssen uniformiert unterwegs sein.

Mehr Präsenz der Bundeswehr

Die Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer erklärt die Entscheidung damit, dass die Bundeswehr mehr Präsenz in der Bevölkerung zeigen soll. Eine Idee, die den üblichen Reisenden womöglich mehr Sicherheit geben soll. Eventuell lassen sich andere ja sogar von der schicken Uniform inspirieren und schlagen eine Karriere bei der Bundeswehr ein. Für die Bundeswehr wäre das nach Abschaffung der Wehrpflicht sicher ein Gewinn.

Die eigenen Mitarbeiter als Werbeplattform zu nutzen, ist also ein weiterer Geniestreich der Bundeswehr-PR! Dicht gefolgt von den skandalösen Werbeplakaten im Rahmen der Videospielemesse „Gamescom“ in Köln 2018. Damals sorgten die Werbeplakate mit Sprüchen wie „Mehr Open World geht nicht“ oder „Multiplayer at its best!“ für Unverständnis. Zurecht, denn schließlich ist eine Ausbildung zum potenziellen Kriegseinsatz vieles, aber auf jeden Fall KEIN Computerspiel.

Doch wie fühlen sich die Soldaten?

Zur Ausbildung eines Soldaten gehört es sicher, bestimmte Befehle ohne größere Gegenwehr entgegenzunehmen. Dennoch sind die Männer und Frauen der deutschen Bundeswehr keine Litfaßsäulen und vielleicht gefällt es nicht jedem, wie ein bunter Hund im Zugwaggon aufzufallen. Nicht jeder oder jede möchte nach einer anstrengenden Woche auch noch „mehr Präsenz“ auf dem Heimweg zeigen.

Als Sohn eines Berufssoldaten weiß ich zudem, dass die Uniform der deutschen Bundeswehr nicht unbedingt komfortabel ist. Was bei dickem Stoff aus Baumwolle am Oberkörper beginnt, kann wohl jeder bei schweren schwarzen Springerstiefeln nachvollziehen, die auch im Sommer Teil der Uniform sind. Das Erste, was Soldaten zu Hause bei ihrer Familie machen, ist es, die Uniform auszuziehen.

Präsenz bedarf keiner Bloßstellung

Das machen sie nicht nur, weil sich in gemütlichere Kleidung wechseln wollen. Sie machen es auch, eben weil sie Teil der Gesellschaft sind. Sie sind normale Bürger, die einer beruflichen Tätigkeit nachgehen. Und deshalb sollten sie in ihrer Freizeit das tragen können, was sie wollen. Alles andere platziert sie außerhalb der Gesellschaft und stellt sie als Privatpersonen vor anderen Privatpersonen bloß.

Warum lässt man die Berufssoldaten also nicht einfach in privater Kleidung Zug fahren? Wenn dann nämlich der Soldat neben mir dem Schaffner seinen Truppenausweis zeigt und ihm mitteilt „Hallo, ich bin Soldat und wünsche ihnen einen schönen Tag!“, erst dann merke ich, dass die Bundeswehr und ihre Mitarbeiter ein Teil unserer Gesellschaft sind. Und keine uniformierten Sonderlinge, die im Sommer einfach viel Schwitzen.

Bildquelle: DB AG /Oliver Lang
Text: Captain Media

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